|
Ideas for Childhood and Youth Education |


|
Prof. Dr. Joachim Bröcher |
|
Books: Family Education |
|
Joachim Bröcher, Jan Bröcher, Philipp Bröcher Vater und Sohn auf Reisen. Ein (pädagogisches) TagebuchVerlag Videel, Niebüll 2003, 1. Aufl, Verlag BoD, Norderstedt 2005, 2. Aufl.
Man muss vielleicht wiederum auf Reisen sein, wenn es an die letzte Durchsicht, Überarbeitung und Korrektur solcher Notizen und Tonbandaufzeichnungen geht, wie in dem vorliegenden Fall. Nun bin ich dieses Mal allein unterwegs, unter anderem mit dem Manuskript „Vater und Sohn auf Reisen“ im Gepäck. Die Großzügigkeit und die Abgeschirmtheit eines Zimmers in einem alten neapolitanischen Palazzo an der Piazza Bellini erscheint mir als würdiger Ort, den letzten Schliff an diese Texte zu bringen, wenngleich es hierbei nicht um literarische Ambitionen geht.
Damit diese abschließende Arbeit nicht der Inspiration und der Leichtigkeit entbehrt, mische ich mich in gewissen Abständen in das bunte Getümmel in den umliegenden Gassen und Straßen, die das Herz dieser Stadt ausmachen. Ich schlendere die Treppen hinunter, auf einen Espresso, eine Pizzetta oder ich kehre ein in eine Trattoria. Natürlich sind die in diesem Band mal fragmentarisch, mal ausführlicher dokumentierten Reisen, einmal abgesehen von ihrer persönlichen, biografischen Bedeutung, auch pädagogische Anliegen. Sie sind pädagogisch, wie jede interessierte, liebevolle und vernünftige Zuwendung zu Kindern pädagogisch ist.
Die im einzelnen gemachten Erfahrungen während dieser Reisen weisen jedoch, besonders in der zweiten Hälfte des Bandes, über den Horizont des Privaten und Persönlichen hinaus, indem politisch-historische, künstlerisch-technische und naturgeschichtliche Dimensionen unseres Daseins, oftmals mit den Augen des Kindes entdeckt und im Sinne von Bildung erschlossen werden. Doch soll das Buch nicht belehrend wirken, weshalb ich das Adjektiv pädagogisch im Untertitel wiederum in Klammern gesetzt habe. Diese Texte können allenfalls anregen, eigene, bisher unbekannte Wege im Umgang mit Kindern zu suchen und etwas Neues auszuprobieren. Ziel war und ist, die elterlichen Handlungsmöglichkeiten und zugleich die Spielräume kindlicher Weltaneignung durch einen explorativen Blick auf die Phänomene auszuloten.
Wenn sie nicht lediglich eingespielten Routinen und Lebensmustern folgt und etwa Experimente wie die hier thematisierten Vater-Sohn-Reisen wagt, hat auch die immer mehr ins Abseits geratende Lebensform Familie wieder eine Chance auf echte Gemeinschaft und Gemeinsamkeit, gerade durch die Verschiedenheit eines Teils der gemachten Erfahrungen.
Vor allem sind diese, mit meinen Söhnen Jan und Philipp bewerkstelligten Aufzeichnungen der Versuch, ein Stück gelebtes Leben festzuhalten und dem Vergessen zu entreißen, auch dem eigenen. Wie vergänglich die Dinge sind, sieht man hier in der morbiden Atmosphäre der neapolitanischen Altstadt auf Schritt und Tritt. Zugleich fasziniert die Schönheit, nicht nur in der Architektur, wie sie sich trotz des Verfalls von einem Jahrhundert ins andere hinübergerettet hat, sondern auch die Schönheit in der jungen Generation, die im Golf von Neapel besonders wild und ungestüm zur Blüte kommt und sich in ihrem Lebenswillen behauptet, trotz aller Vergänglichkeit …
Sich im Lebenswillen behaupten ..., nichts anderes wollen diejenigen, die hier reisen und ihre Erfahrungen dokumentieren. Dabei wird deutlich werden, in welch komplexen Bezügen sich dies alles vollzieht und was sich im einzelnen entdecken lässt. Obwohl das Reisegeschehen naturgemäß in der Gegenwart spielt, ist es immerzu auf die nähere Zukunft hin ausgerichtet und zugleich sind diese Reisen auch Berührungen mit der Vergangenheit, die letztlich durch alles hindurch scheint
J.B., Neapel, September 2003 (Vorwort) |
